lauftagebuch

Farbe bekennen

Es klingt immer so einfach, wenn man sich vornimmt, Farbe zu bekennen – zu etwas zu stehen:  Zu seiner eigenen Meinung. Zu seinen eigenen Entscheidungen. Zu seinem eigenen Unvermögen.

Wenn das nun Dinge sind, die sowieso der Großteil der Menschheit unheimlich gut findet, dann ist das easy. Dann schwimmen wir mit dem Strom. Dann ist es leicht zu sagen: Da bin ich dabei! Denn da sind ja viele andere auch mit dabei, kann also nicht so verkehrt sein.

Was aber, wenn das, wofür ich einstehen möchte, etwas ist, was im Allgemeinen nicht wirklich Anerkennung findet? Dann braucht es Mut. Mut zu sagen und zu zeigen: Hier bin ich, dazu stehe ich und auch wenn ihr das alle nicht nachvollziehen könnt, es ist so. Und das ist gut. Punkt.

Schnelligkeit liegt im Auge des Betrachters.

Ich hatte kürzlich wieder erhellende Momente. Einer davon war in einem Gespräch, als mein Gegenüber (Läufer, talentiert) sagte: „Also dann läufst du so einen Lauf ganz gemütlich, oder?“

Tja, das kommt drauf an von welcher Seite man die Sache betrachtet. Für einen Mittelfeldläufer sieht das bestimmt so aus. Für mich nicht. Ich würde es niemals als gemütlich bezeichnen, wenn ich bei einem Lauf mitmache. Gemütlich ist es, wenn ich für sieben Kilometer etwas mehr als eine Stunde brauche und dabei die tollsten Gespräche führe (mit mir selbst, einem Laufkollegen oder der Natur). Schnelligkeit liegt im Auge des Betrachters.

Was hat das jetzt also mit Mut zu tun? Ich habe wagemutig vor einigen Tagen den Veranstalter des Silvesterlaufes angeschrieben, an dem ich teilnehmen werde. Das mache ich hin und wieder, wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob die Laufveranstaltung für Turtlerunner wie mich geeignet ist. Seit  Tagen posten sie auf Facebook die tollen Menschen, die beim Lauf dabei sind  – selbstverständlich nur diejenigen, die erfahrungsgemäß auf den ersten drei Plätzen landen. Beinahe jeden Tag ein neues Foto, eine neue Bestzeit, neue „Favoriten“, „extreme Steigerungen“ … also ehrlich, da kann’s einem als Verfechter der langsamen Läufer schon etwas Angst werden. Man könnte meinen, bei diesem Lauf gibt es maximal fünf Teilnehmer, die sich um die ersten drei Plätze streiten. Gibt’s da vielleicht gar keine „normalen“ Läufer? 😉

Also schreibe ich dahin, erkläre meine Philosophie, frage, ob der Lauf für Läufer wie mich geeignet ist, schicke noch eine Leseprobe vom Buch,  … und dann warte ich. Tagelang. Bisher noch keine Reaktion. Ist das jetzt gut oder schlecht?

Farbe zeigen

Egal was es ist – ich bin angemeldet. Am 31.12.2014 wird Farbe bekannt und vor allen Dingen: gezeigt! Denn inzwischen ist mein Turtlerunner-Laufshirt angekommen in leuchtendem Knallrot mit meinem Motto in strahlend weißem Aufdruck auf dem kompletten Rücken: „Lauf ruhig schon voraus, ich bin nur zum Spaß hier!“

Und wisst ihr was wirklich toll ist? Inzwischen haben rund 20 Menschen (falls du dazugehörst: Danke, Danke, Danke!) ebenfalls so ein Lauf- oder Motto-Shirt. Das heißt: ich bin nicht mehr alleine damit unterwegs. Wir zeigen und bekennen nun zusammen Farbe. Vielleicht nicht alle beim gleichen Lauf (auch wenn ich mir sicher bin, dass irgendwann ein Turtle-Marathon zustande kommt) aber man kann uns nach und nach überall sehen. Die Shirts sind bereits in Deutschland, der Schweiz und natürlich in Österreich unterwegs und ich freu mich so sehr darüber.

Unabhängig davon, ob sich er der Laufveranstalter noch bei mir meldet: ich werde laufen (im knallroten T-Shirt für Hof Butenland 10 Kilometer beim Kemptener Silvesterlauf) und ich bin nicht allein. Wir starten zu dritt am Ende des Lauffeldes. Und in Nürnberg und Bietigheim sind bei den Silvesterläufen weitere Turtlerunner am Start und bekennen Farbe. Wenn das so weitergeht, werden die Schlussfelder verschiedener Läufe ganz schön bunt!

Willst du auch Farbe bekennen? Hier geht’s zum brandneuen Turtlerunner’s T-Shirt-Shop.

Ich wünsche euch allen einen schönen dritten Advent, seid mutig, steht für die Dinge ein, die euch wichtig sind und holt euch Unterstützung. Es gibt immer jemanden, der mitzieht!

Ich danke euch allen für’s „Mitziehen“.

P.S. Kleiner Nachtrag: der Veranstalter hat sich bei mir gemeldet und er freut sich auf uns =D Turtlerunners welcome – Hurra! Jetzt geht es mir besser und ich freue mich sehr, sehr, sehr auf meinen ersten, richtigen Silvesterlauf, der wirklich am 31. Dezember stattfindet.

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12 Kommentare

  1. Ich danke dir für dieses Shirt. Wirklich. Ich bin auch kein Bestzeitenjäger. Eher so der gemütliche Diesel. Und ich bin sehr froh, dass es noch mehr Menschen gibt, die nicht nach Bestzeiten jagen.

    • Judith Riemer

      Liebe Katrin! Stell dir vor, was das für ein Gedränge da vorne wäre, wenn wir alle so schnell wären – nicht auszudenken! Das wär ja sowas von ungemütlich. Nein, ist schon gut so, dass wir nicht alle gleich sind und ich freue mich sehr, wenn dir das Shirt gefällt. Ich trage es mit Stolz 🙂 LG Judith

  2. Ich werde auch in Bietigheim am Start sein. Zwar nicht ganz hinten, denke ich, aber ich finde die Aktion ganz toll!

    • Judith Riemer

      Klasse, dann siehst du vielleicht Liz, die mit dem Turtlerunner-Shirt startet =D Viel Spaß!

  3. Achim Berger

    In Trier ist es auch so. Da starten Silvester immer Berühmtheiten des Laufsports. Komischerweise wohne ich 3,5 KM vom Start habe mir den Elite Lauf aber noch nie angesehen.Das interessiert mich nicht. Die „NORMALOS“ war ich aber schon schauen. Da liegt der Spaß für mich besonders wenn meine Tochter oder Steffi noch startet.
    Ich freue mich auch schon wenn du noch bekannter wirst mit dieser „Bewegung“ des gemütlichen Genuss Laufens und bin gespannt auf die ersten Artikel.
    Noch mehr freue ich mich auf unser Shirt 🙂 und bin Glücklich ein Teil deines Team zu sein.

    • Judith Riemer

      Hallo Achim! Und ich bin froh, euch dabei zu haben 🙂 Ich freu mich schon auf erste Fotos von euch mit den Shirts. Bevor ich selber zur Läuferin wurde, war ich überhaupt noch nie auf einem Lauf. Die Leistung der Top-Läufer finde ich selbstverständlich bewundernswert – aber die der anderen Läufer finde ich keineswegs weniger bewundernswert. Jeder gibt auf seinem Niveau, das was er kann. Und ich finde wirklich, manche Veranstalter dürfen sich da ein, zwei oder drei weitere Blickwinkel zulegen und nicht nur die ersten Läufer beachten – denn nur mit denen käme gar keine Veranstaltung zustande. Dafür braucht es die vielen, vielen anderen Läufer. Aber gemeinsam kriegen wir das schon hin, dass die auch das Quäntchen Beachtung bekommen, das sie verdienen 😉

  4. Liebe Judith, so, ich habe mir als Erstes gleich mal so ein Laufshirt bestellt!!! 😀 In orange, mit dem Text „Frag nicht…“ – das trifft es einfach so gut! Der Silvesterlauf in Bietigheim schwebt mir schon länger vor, habe es aber bisher nie gepackt, und dieses Mal wird es auch wieder nix, weil ich mich so fühle wie kurz vorm Burnout, was glaub auch zutrifft, und ich kränkel seit ca. drei Wochen und laufe gerade nur ganz selten statt dreimal pro Woche. Aber: Was nicht ist, kann ja noch werden! Nach Bietigheim sind es von mir aus nur 30 km, und mein Freund ist da früher jedes Jahr mitgelaufen. Der ist allerdings kein Turtle-Runner. B-) Bin ja sehr gespannt, ob der Veranstalter sich noch bei dir meldet…! 😉 Liebe Grüße und viel Erfolg bei deinen Vorhaben, Anne

    • Judith Riemer

      Liebe Anne! Für meinen Viertelmarathon am Bodensee brauchte ich auch 1,5 Jahre, bis ich endlich dran teilnehmen konnte. Irgendwann passt es einfach. Und wenn es dieses Jahr in Bietigheim nicht sein soll: dann stellst du dich mit deinem orangen Shirt an den Rand und feuerst deinen Freund an 🙂

  5. Tolle Aktion mit den Shirts! Ich bin auch eine Langsam-Läuferin, und habe vor ein paar Jahren den örtlichen Lauf hier (8,7 km) als mit Abstand Letzte bestritten. Bei der letzten Runde war schon fast alles abgebaut, es gab keine Getränke mehr, die Straße wurde schon wieder für Autos freigegeben….Aber: ganz viele Leute blieben extra wegen mir am Straßenrand stehen und feuerten mich an. Das war so toll! Und dann bekam ich einen jungen Helfer mit Wasser und Bechern auf dem Rad zur Seite gestellt, der mich die letze Runde begleitete….auch toll!
    Und viel später habe ich dann erfahren, dass einige Frauen im Jahr drauf auch teilnahmen, weil sie sich durch mich „trauten“. Da war ich ganz gerührt…

    Ich frage auch ab und an nach, ob überhaupt auf den Letzten gewartet wird beim Lauf. Das ist ganz unterschiedlich…normalerweise bekomme ich da aber sofort eine Antwort. Ich würde an Deiner Stelle nochmal nachhaken oder sogar anrufen. Vielleicht ist die Mail nach unten gerutscht und wurde vergessen…

    Ganz liebe Grüße
    Ursula

    • Judith Riemer

      Ursula, wie toll! Das gefällt mir mit dem eigenen Betreuer beim Lauf 😉 Sowas durfte ich auch schonmal erleben. Schöne Geschichte, ich danke dir! Der Veranstalter hat sich inzwischen gemeldet und freut sich auf uns Turtlerunner. Jetzt kann es also entspannt an den Silvesterlauf gehen. Liebe Grüße!

  6. Liebe Judith!
    Habe eben erst von dir und deinem Blog über „Bevegt“ erfahren.
    Da ich auch eine Laufschnecke bin, hatte ich ebenfalls schon häufiger Diskussionen oder hörte mir „witzige “ Bemerkungen von schnelleren Läufern an. Bei meinem ersten HM vor einiger Zeit z.B. den Kommentar: „wenn ich so langsam wäre, würde ich gar nicht erst starten“.
    Meine Antwort dazu war: „Ich finde es toll, wenn jemand so schnell laufen kann. Aber mal ehrlich: wenn du in 1:20:00 durch bist, hast du 1:20:00 Höchstleistung gebracht.
    Wenn ich in 2:20:00 durch bin , habe ich 2:20:00 Höchstleistung gebracht. Wer von uns ist da wohl der ausdauerndere Läufer?!“
    Das Gesicht danach hat bei mir ein stolzes Lächeln bewirkt!

    • Judith Riemer

      Hallo Annette! Haha … das ist ja toll – sehr schlagfertig und ja, du hast recht. So ist das nämlich 🙂

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