lauftagebuch

Gehe zurück auf Los – dann los!

Gestern bin ich zum ersten Mal seit langem drei Kilometer ohne Gehpause gelaufen. Wer hätte gedacht, dass ich mal wieder so weit unten anfangen darf. Aber ja, es geht schneller als man denkt. Ich fühlte mich wieder wie ganz am Anfang meines Projekts und ich weiß grad nicht, ob mir das gefällt. Irgendwie ja schon, denn jedem Anfang wohnt ein Zauber und so weiter – oder?

Naja, nicht immer. Manchmal sind Anfänge auch einfach nur mühsam. Bis sie leicht werden. Ich vermute, das hat viel mit der Psyche zu tun. Dieser doofe Gewohnheitseffekt. Ich war schon mal dran gewöhnt, jede Woche 5 x zu laufen, ohne Schmerzen. Im zweistelligen Kilometerbereich. Dann kam alles anders, ich begann einen Job, der mich nicht wirklich glücklich machte und mir – so empfand ich es – viel Zeit und Energie stahl. Energie, die ich für mein Laufpensum gebraucht hätte. Und das Laufpensum hätte ich gebraucht, um Energie für den Job zu haben. Dann habe ich mich daran gewöhnt, weniger zu laufen und plötzlich war jedes „Mehr“ wieder anstrengend.

Ein Teufelskreis. Ihr kennt das. Oder?

Wenn ich aus dieser Sache eines gelernt habe (abgesehen davon, dass mehr Dehnübungen nicht verkehrt wären zwecks verspannter Körperteile, die dann beim Laufen schmerzen), dann wohl das: Laufen und Arbeiten funktioniert, wenn ich dem Laufen die angemessene Priorität schenke.

Das funktioniert jetzt langsam wieder und was mich besonders freut: Mein Körper hat sich scheinbar nicht damit abgefunden, dass wir jetzt wieder weniger tun. Er freut sich über jede Bewegung und je abwechslungsreicher, desto besser. So haben wir angefangen im Studio am Rudergerät miteinander Spaß zu haben. Mir tut zwar heute alles weh, aber das war’s wert. Scheinbar zahlt sich mein Projekt, das nun auf den vierten Geburtstag steuert, langsam aus.

Ich falle nicht mehr so schnell zurück in alte Muster (auch wenn ich mir sehr bewusst bin, dass ich das noch draufhabe). Das lässt sich vielleicht auch mit dem transtheoretischen Modell der Verhaltensänderung erklären, das wie eine Spirale aufgebaut ist – ach ja, schon gut, dass ich mir ausgerechnet ein Psychologie-Studium ausgesucht habe. Das erklärt doch so einiges. Und Selbsterkenntnis ist doch der erste Weg zur Besserung, oder?

 

1 Kommentar

  1. Ach liebe Judith,
    Du sprichst mir gerade so sehr aus der Seele. Ich habe auch so viele Male zurück auf Los gehen müssen: Muskelriss, psychische Tiefs, die mir alle Energie raubten, Eisenmangel (Ursache unbekannt), Kreuzung mit anderen Sportarten, die sich nicht vertragen haben und und und.
    Danke für Deine Worte. Es motiviert von neuem anzufangen, egal wie oft, egal wie weit man zurückfällt. Weil es darum nicht geht. Wir haben Freude an Bewegung und an der Natur, das zählt. Ohne den Gedanken der Leistung sind wir freie unschuldige Kinder, die einfach draufloslaufen. 😄😄😄
    Alles Liebe
    Djuri

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