Allgemein spontan vegan essen

Beim Mozartwirt

Wie es der Zufall (oder das Schicksal?) wollte, verschlug es mich gestern Abend nach Friedrichshafen. Da ich, was meine Energiezufuhr angeht, sehr vorausschauend lebe, hatte ich bereits am Mittag ein Telefongespräch mit dem Koch vom „Mozartwirt“ in Eriskirch, den ich kurz zuvor über Facebook entdeckt hatte.

Das Telefonat

„Was war das denn?“, fragte mein Mann anschließend. „So ruhig bist du normalerweise nie, wenn du mit jemandem telefonierst. Sag bloß, der hatte dir was zu erzählen?“ Grinste und verließ den Raum. Für mich war jedenfalls klar, da wollte ich abends hin – denn wenn mir bereits am Telefon der Koch erklärt, dass vegan zu kochen doch überhaupt kein Problem sei, und das es zum Panieren sowieso kein Ei braucht, weil man das auch anders machen kann und außerdem das Gemüse bei ihnen à la minute zubereitet wird, dann macht mich das neugierig. Ich verabschiedete mich am Telefon mit dem unverbindlichen Satz, dass wir eventuell vorbeikämen. Man weiß ja nie, was so im Laufe eines Tages passiert. Aber das einzige, das passierte, war, dass ich abends um 17.30 Uhr in Friedrichshafen war und Hunger hatte.

Die Ankunft beim Zauberer

Einige Umwege später (danke, liebes, nicht upgedatetes Navi), fanden wir dann nach Eriskirch zum Mozartwirt. Von außen schlicht und schnörkellos liegt der Gasthof eingebettet in eine ruhige Wohnsiedlung. Als wir eintraten, kam der Mann, den ich ab sofort nur noch den Zauberer nenne, schon auf mich zu. In roter Kochjacke und mit weißem Rauschebart, schüttelt mir die Hand und ich sage nur: „Haben wir telefoniert?“ Er nickt und zeigt uns unseren Platz, denn scheinbar wurden wir schon erwartet. Ein gutes Gefühl! Ich staune nicht schlecht, als er eine Minute später an unseren Tisch kommt und uns ein Körbchen mit frischen Steinpilzen präsentiert, die er heute frisch bekommen hat. Ob wir sowas mögen würden? Vielleicht mit etwas Knoblauch und Olivenöl und Kartoffeln … und … ach, da war ich ja schon im Himmel! Egal, was jetzt noch kommen würde – es würde gut sein. Da war ich mir sicher. „Na, dann geh ich mal und zauber euch was Schönes“, sagt er und macht sich auf den Weg in die Küche.

Beim Mozartwirt

Kulinarischer Zeitvertreib

Wir sitzen am schön gedeckten Tisch und schauen uns an. Sollte es tatsächlich möglich sein, ein Restaurant gefunden zu haben, das zwar nicht per se auf die vegane Küche spezialisiert ist, aber in dem sich der Koch tatsächlich darüber freut, pflanzlich essende Gäste zu haben? Das kannte ich bisher nicht. Dafür bekam ich schonmal zu hören, dass pflanzliche Gerichte viel aufwändiger zu kochen seien – was dann damit endete, das ich beschloss, diesen Koch lieber nicht mehr mit meinem Besuch zu stressen, aber bei Winfried, dem Zauberer, war das ganz anders. Wir hörten ihn in der Küche schnippeln, während wir am Tisch saßen und auf unsere Pilze warteten – und da gab es beim „Mozartwirt“ richtig was zu entdecken. Angefangen vom selbst geschriebenen „Kulinarium“ mit lustigen Geschichten und dem Rezept für den „ultimativen-letzteRettung-alleSorgenvertreibende-sauwohlfühl-menschgehtsmirgut-Glücks-Salat“ bis hin zu einer Vielzahl an interessanten Büchern (z. B. mit dem Titel „Für Eile habe ich keine Zeit“), in denen der Gast schmökern kann, während er auf sein Essen wartet.

Auszug aus dem Kulinarium

Das glückliche Ende

Und ab hier mach ich es ganz kurz: Winfried bringt uns zwei Teller mit wunderschönen, verschiedenen Pilzen, die auf einem Wirsingbett liegen und so köstlich gewürzt sind, dass ich ständig nur noch „mmmh“ sage. Ständig. Ich glaube, ich habe noch nie so andächtig gegessen wie gestern Abend. Kartöffelchen mit frischem Schnittlauch, ein Steinpilz, der dir auf der Zunge vergeht, zarte Wirsingblätter … ich war, ohne zu übertreiben, im kulinarischen Pflanzenhimmel.

Das köstliche Pilzgericht

Vegan essen am Bodensee – Die Empfehlung

Für mich ist es klar: beim „Mozartwirt“ bin ich bald wieder zu Gast. Ich sollte aufhören, immer Anlässe dafür zu suchen, denn ich finde, man kann auch ohne Anlass einfach mal gut vegan essen gehen am Bodensee. Oder ich nehme andere Anlässe. Zum Beispiel wäre ein guter Anlass, weil heute Samstag ist. Oder Montag! Montag ist immer gut. Nur Mittwochs kocht man besser zuhause, denn da muss der Zauberer auch mal seine Beine hochlegen – obwohl ich eher vermute, dass er an diesem Tag frische Zutaten für seine Küche besorgt, damit er wieder „was zaubern“ kann.

Hier findet ihr den Mozartwirt:
Kirchplatz 10, 88097 Eriskirch
Tel. 0049/ (0)7541/ 6036335
Gezaubert und gekocht wird ab 11.30 Uhr durchgehend
und das jeden Tag, außer Mittwoch

13 Kommentare

  1. Hey danke für den Tip, hört sich köstlich an. Wenn es nicht erst 11 Uhr wäre, würde ich jetzt glatt essen gehen.
    Hört sich auf jeden Fall sehr lecker an und wird demnächst getestet..
    Danke für diesen Beitrag.
    Gruss Sandra

    • Judith Riemer

      Danke für’s Lesen, Sandra! Stimmt, du bist ja auch in der Ecke zuhause, oder? Da würde sich so ein Besuch beim Mozartwirt durchaus anbieten =D Lass es dir schmecken! LG Judith

  2. Liebe Judith,
    endlich ein Koch, der seinem Beruf alle Ehre macht.
    Ich freue mich sehr für Euch, weiß ich doch, wie schwierig das oft ist, wie unsicher und unbefriedigend.
    Und vor allem gibt es einem das Gefühl, dass es voran geht, und irgendwann so selbstverständlich ist, wie vegetarische Gerichte. Die gibt’s inzwischen auch auf jeder Speisekarte – vor einigen Jahren noch undenkbar.
    Gutes setzt sich durch – go vegan!
    Liebe Grüße von
    Anne

    • Judith Riemer

      Ganz genau, liebe Anne! Ich hatte diese Woche auch schon „andere“ Begegnungen mit diesem Thema, weswegen ich gestern bereits am Telefon ganz vorsichtig war, als ich nach veganen Speisen fragte. Und dann wurde ich so überrascht! Das war wirklich schön. Ich fühlte mich richtig gut aufgehoben und mein Mann sagte: „Gottseidank, es gibt sie noch. Die richtigen Köche.“ Das war ein schönes Erlebnis! Liebe Grüße zurück, Judith

  3. Der Mozartwirt in Eriskirch!!! 🙂 Da war ich auch schon, vor „Jahrzehnten“ in meinen Bodenseezeiten… Schön, zu hören, dass es sowas auch gibt! 🙂

    • Judith Riemer

      Hallo Petra! Das ist ja lustig, finde ich toll, dass du da noch Erinnerungen dran hast, wer hätte das gedacht? Wenn du mal wieder im Lande bist, kannst du mal vorbeischauen 🙂

  4. Schade, daß mein Bodensee Urlaub vorbei ist.
    Jetzt ist es ein bißchen zu weit, um dort essen zu gehen.
    Neid ! 😉

    LG
    Claudia

    • Judith Riemer

      Schade, dass ich ihn erst jetzt entdeckt habe! 😉 Hätte dir den Tipp gerne eher gegeben – aber he, der nächste Bodensee-Urlaub kommt bestimmt. Jetzt erst recht, oder? 😉

  5. Hallo liebe Judith,

    ganz ähnlich ging es mir letzte Woche als ich zufällig ein Restaurant kam, in dem ich bisher nie war.
    Meistens rechne ich mit dem obligatorischen Salat, wenn ich mich vorher nicht informieren konnte, aber an diesem Abend wartete eine echte Überraschung auf mich. Nämlich die Herbstkarte. Es war gar nichts Veganes drauf, aber auf meine Nachfrage ob man das ein oder andere Gericht veganisieren könnte, ging die sehr nette und auch gar nicht überrascht wirkende Bedienung in die Küche fragen ob die mir etwas ohne tierliche Zutaten bereiten könnten. Bei den Gerichten die auf der Karte standen (Semmelknödel mit Pfifferlingen und Maultaschen gefüllt mir Kürbispüree) waren in den Teigen jeweils Eier – das fiel also aus. Aber dann fragte sie mich, ob die Küche mir denn etwas mit Kürbispüree und Gemüse machen dürfte und nach meinem hocherfreuten „Ja“- war ich sehr gespannt was kommen würde.
    Ich bin niemand, der sein Essen fotografiert- deshalb müsst ihr mit meiner Beschreibung auskommen:
    Es kam ein Teller auf dem in der Mitte ein großer Klecks Kürbispüree war, in dem eine mit Kräutern bestreute Blumenkohlrose steckte. Drumherum befand sich allerlei gegrilltes Herbstgemüse und Pfifferlinge in einer köstlichen Tomatensoße und dazu kam ein Schälchen Salzkartoffeln. Die hätte ich gar nicht gebraucht- denn das Kürbispüree war nicht nur unglaublich lecker- es machte auch richtig satt. Aber ich habe alles aufgegessen, weil ich so begeistert war.
    Die anderen am Tisch machten ganz ungläublige und neidische Gesichter als mein Essen kam und dann mümmelten sie jede an ihrem Salat mit wahlweise Käse, Fisch oder Fleisch rum. Eine, die später dazu gekommen war, fragte dann, ob das auf der Karte stehen würde und dass sie gar nicht gewusst hätte, dass veganes Essen SO aussehen kann.
    Ich frag mich dann ja immer, was die sich so vorstellen, aber ich ich bin nicht darauf eingegangen- ich wollte lieber mein tolles Mahl genießen. 🙂

    Hach, was war das fein! Ich hab mich mit einem großzügigen Trinkgeld bedankt und der nächste Besuch ist auch schon geplant!

    • Judith Riemer

      Hallo Claudia – mmmmh, danke für die tolle Beschreibung! Da läuft einem glatt das Wasser im Mund zusammen. Schön, dass es auch auf diese Weise gehen kann. LG Judith

  6. Hallo Judith,
    ich war vor 2 Wochen am nördlichen Bodenseeufer und war überrascht, wie groß das Angebot an veganen Essensmöglichkeiten war! Auf meinem Blog habe ich meine Tipps für Lindau, Friedrichshafen, Meersburg und Überlingen zusammengefasst: http://reise-vegan.de/nordufer-bodensee-vegan/
    Deinen Restauranttipp habe ich nicht getestet (die Auswahl an Restaurants mit veganem Angebot war einfach zu groß), aber ich habe deinen Tipp trotzdem mal verlinkt.
    LG
    Natascha

    • Hallo Natascha, danke für deine Nachricht! 🙂 Ich schau mir deinen Artikel nachher gerne an, denn vielleicht bist du ja auf was gestoßen, was ich noch gar nicht kenne 😉 Allerdings kannst du den Mozartwirt gleich rausnehmen. Wilfried hat sein Restaurant letztes Jahr aus gesundheitlichen Gründen geschlossen. Inzwischen kocht er wieder woanders, aber ich glaube, da gibt es noch keine veganen Alternativen. Kommt vielleicht noch. Liebe Grüße, Judith

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*