Allgemein

Wenn der Berg ruft

Dann sollte man springen. Oder zumindest sein Bestes geben und bei dem Versuch … nein, ich will das Drama nicht vorweg nehmen. Heute auf meinem Trainingsplan: ein Lauf mit 3 kleinen Berglaufeinheiten. Heißt: 3 x 6 Minuten den Berg hoch, Puls bis max. 173 (das ist meine GA3-Stufe) und zwischen den „Bergen“ wieder runterschalten auf Erholungspuls.

Man nehme dafür im Optimalfall: 2 kräftige Beine, 3 passende Berge bzw. Anstiege und 1 ausgeruhte Läuferin.

Ich hatte heute zur Verfügung: 2 Gummioberschenkel, 3 unpassende Anstiege mit teilweise hochalpinen Schneeverhältnissen und 1 ziemlich ausgelutschten Turtlerunner, nämlich mich.

Reden wir nicht lang drumherum: Ich hatte kurzzeitig das Gefühl, mitten im Geschehen, direkt und jetzt sofort sterben zu müssen. Mein Herz schlug bis zum Hals und darüber hinaus, meine Lunge gab seltsame Geräusche von sich (die nur ich hören konnte, denn natürlich übertreibe ich mal wieder ohne Ende) und meine Beine … ach ja, reden wir nicht davon.

Das war der erste Anstieg. Ganz schön ungewohnt und ich war mir nicht sicher, ob ich die nächsten beiden Anstiege überleben würde. Aber ich hatte ja meinen Turtle-Mann dabei, der hätte mich bestimmt nach Hause getragen, wenn nix mehr ging. Oder doch nicht? Ich frag lieber nicht nach und lebe weiter innerhalb meiner romantischen Illusionen …

6 Minuten sind ja sooooooo lang! Unfassbar. Der zweite Anstieg war noch fieser, weil steiler. Ich keuchte jede Minute nur noch ein Wort: „Zeit!“ Denn Zeit ist was unglaublich Wichtiges. Wurde mir heute wieder mehr als deutlich bewusst. Zeit.

Wann zum Teufel sind denn diese verdammten 6 Minuten um?

Ehrlich,  hätte ich nicht schon vor Monaten mit dem Rauchen aufgehört – heute hätte ich’s getan! Einfach so. Aus voller Brust heraus. Denn da war heute nur Luft drin und davon auch schon zu wenig. Wenn ich beim Laufen mal nicht ständig meinen Schnabel aufhabe, dann sollte man sich langsam Gedanken machen.

Heute war der stillste Lauf meiner bisherigen Karriere.

Und ich musste die ursprünglich geplante Trainingszeit von 55 Minuten überziehen. Um ganze 18 Minuten! Warum? Weil ich so langsam zwischen den Bergen, die gar keine waren, gehen musste, damit mein Puls runterkommt. Ganz schöne Berg- und Talfahrt war das heute. Alles in allem ein kleines Drama. Und ja, das ist es tatsächlich, denn in Wirklichkeit war es eigentlich halb so wild. Klar, hab ich das alles genauso zu 100% empfunden.

Aber jetzt – zuhause – nach der warmen Dusche, nach meinem Energie-Erholungs-Drink, Salat mit Kräckern, gefühlten 2 Kilo Datteln und einer Viertel Reisbohnen-Pizza mit Brokkoli, muss ich sagen:

Das war mit Abstand der coolste Lauf, den ich bisher gemacht habe!

Habe mich selten so lebendig gefühlt und gespürt, wie sehr mein Herz klopfen kann und das ich trotz allem fähig bin, einen Berg (es war in Wirklichkeit kein Berg, aber für mich war es einer) hinaufzurennen. Gut, „rennen“ ist jetzt vielleicht auch wieder relativ … aber Herrschaftszeiten, wen juckt das? Für mich und meine Verhältnisse bin ich heute 3 Berge hochgerannt. Und allein das zählt. Ein Supertag!

Foto gibt’s übrigens keins – hatte keine Zeit zu fotografieren (war ja am „rennen“) 😉

6 Kommentare

  1. Das Hochgefühl nach solchen Strapazen entschädigt für so viel! Gut gemacht!

    • Genau, Markus – es ist wirklich enorm. Hätte ich nicht gedacht, aber das Gefühl danach, lässt beinahe alles vergessen. Wirklich eine Entschädigung. LG Judith

  2. Glückwunsch! Du machst das alles genau richtig. Weiter so!
    LG Babee

  3. Djuri Ishii

    Toll, das hört sich super an. Will unbedingt auch mehr „Bergarbeit“ einplanen, wenn meine Zwangspause vorbei ist. Danke für Deine Motivation.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*