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Yoga: Weinen kannst du später!

Das vergangene Wochenende verbrachte ich in Frankfurt. Heute plagt mich der Muskelkater meines Lebens. Besteht da eventuell ein direkter Zusammenhang? Oh, ja! Schuld daran sind:

Das Om und Kali, die Göttin

Keine Sorge, ich bin nicht völlig verrückt geworden seit dem Wochenende, es ist derselbe Wahnsinn wie immer. Diesmal war nur etwas Yoga im Spiel. Etwas viel Yoga. Für meine Verhältnisse.

Mein 24-Stunden-Laufbegleiter, veganmarathon-Gastautor und angehender Yogini der siebten Dimension, Götz Grammerstorff, lud am vergangenen Sonntag zur Yoga-Stunde in Frankfurt Sachsenhausen ein. Der Ort: Balance Yoga

Empfangen wurde ich vom aromatischen Duft der Räucherstäbchen und der Gewissheit, dass ich keine Ahnung hatte, worauf ich mich da einließ. Dennoch eroberte dieses Studio mein Herz im Sturm, als Göttin Kali höchstpersönlich schwanzwedelnd aus dem Yoga-Raum auf mich zukam. Kali ist ein acht Monate alter Junghund, der den Namen einer Göttin trägt und sich auch mindestens so würdevoll und tiefenentspannt verhält (bis auf die eine Situation als sie einer Yoga-Teilnehmerin die Socke stibitzte – aber gut, man kann eben auch als Göttin nicht aus seiner reinkarnierten Haut).

Kali’s Wegbegleiterin Olga war die Frau der Stunde. Der Vinyasa-Yoga-Stunde. Was auch immer das heißen mochte. Jedenfalls war sie für mich der Inbegriff eines sonnigen Gemüts. Olga strahlte und jeder noch so kleine Zweifel, dass ich eventuell im völlig falschen Kurs sein könnte, schmolz dahin. Dieser entspannte Zustand hielt etwa fünf Minuten an. Dann ging’s los. Es folgte ein Hund nach dem anderen, herabschauend, hinaufschauend oder umgekehrt, die Kobra, der Krieger 1-199, nach weiteren fünf Minuten war ich schweißgebadet und der Verzweiflung nahe: die Stunde sollte 90 Minuten dauern. Neunzig!

Weinen kannst du später

Meine Arme zitterten im „Brett“, während Olga geschmeidig und elegant eine Liegestütze vollführte, sich dann einen Zentimeter über dem Boden (horizontal gesehen) schwebend positionierte und sich dann – wie auch immer das funktionieren mag – der Länge nach Richtung Fersen schob und wieder formvollendet im herabschauenden Hund landete. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass ich ein VIP-Ticket hatte: Ich war in der 1. Reihe.

Das schmerzerfüllte Gesicht (also meins) zog dann doch Olgas Aufmerksamkeit auf sich und sie lachte und strahlte, als sie zu mir sagte: „Weinen kannst du später – jetzt musst du atmen!“

Atmen. Auch das noch.

Drehsitze, elegante Verrenkungen und katzenhafte Sprünge auf Olgas Seite, Würgegriffe und phasenweise Verzweiflung auf meiner. Dann kam der beste Teil des Ganzen: der Schulterstand. Oder auch besser bekannt aus dem Turnunterricht: die Kerze. Voller Stolz habe ich mal darüber berichtet, dass ich eine halbe Kerze inzwischen schaffe. Gut, ich gebe zu, diese halbe Kerze ist inzwischen auf ein Viertel heruntergebrannt. Olga half mir und packte meine Füße, zog sie in die Höhe und verhalf mir zum ersten Schulterstand meines Lebens. Gleichzeitig auch zu einer ernstzunehmenden Panik-Attacke. „Nicht loslassen“, keuchte ich. Sie strahlte immer noch und lachte. „Geht doch, oder?“, meinte sie und ließ meine Füße los. „Nichtloslassen!“ presste ich etwas lauter heraus. Zwei Sekunden später war meine Kerze ausgepustet und ich landete wieder auf dem Rücken und – Gott und Kali sei gedankt – auch auf dem Boden (gut, wo auch sonst, könnte man sich jetzt fragen – aber wer weiß das schon so genau). In der ganzen Aufregung hatte ich das Atmen natürlich völlig vergessen.

Jetzt kam der entspannende Teil mit Dehnungen, Streckungen, Langziehen, ruhig atmen – sich unter einer Decke verstecken und ausruhen. Am Ende ein kollektives OM, das so laut war, dass ich völlig erschrocken bin. Vorbei war’s mit meiner yoginischen, inneren Instant-Ruhe bei mir. Das Amen in der Kirche kann dagegen einpacken. Unglaublich, was für kraftvolle Stimmen Yoga-Menschen haben – die 90 Minuten vergingen übrigens wie im Flug!

Und auch wenn ich mir in meiner ersten Yoga-Stunde vorkam wie in meiner allerersten Laufeinheit – ihr erinnert euch vielleicht an den schwangeren Elefanten – muss ich sagen: es hat gefunkt! Dieses Yoga hat etwas, das mich unheimlich anzieht, denn ihr wisst ja, ich habe ein Faible für Dinge, die mir offiziell nicht liegen, in denen ich talentfrei unterwegs bin – denn Spaß macht es ja trotzdem oder genau deswegen. Ich glaube, davon muss noch mehr in mein (Läufer)-Leben. Vielleicht bekomme ich irgendwann eine Yoga-Stunde für Turtles, wo es dann statt der Kerze, die rollende Schildkröte gibt oder was in der Art.

Ich arbeite jedenfalls fest daran und ich danke dem gesamten Team von Balance Yoga in Frankfurt Brigitte, Marcus, Olga, Kali und dem Rest der Mannschaft – das war ein wunderschönes Erlebnis gestern!

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Von links nach rechts: Götz, Olga, Kali, ich, Brigitte und Marcus.

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