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Denkst du noch oder läufst du schon?

Herrje! Was für eine stressige Woche. Viele Sorgen, wenig Schlaf. Vor 3 Tagen wurde mein Mops nachts von einer Wespe gestochen, die sich auf der Terrasse versteckt hat. Theoretisch nicht so wild – nur ist der Mops leider allergisch. So verbrachten wir die nächsten 5 Stunden beim Tierarzt und in der Tierklinik, wo die Kleine dann die nächsten 3 Tage um ihr Leben kämpfte.

In den Tagen daheim, als wir warteten und hofften, bin ich viel laufen gegangen, um mich abzulenken und den Kopf frei zu bekommen. Meist walken. Aber heute eben auch joggen. Auf meinem Trainingsplan standen 50 Minuten Lauftraining im Pulsbereich bis 161 Schläge. Ich lief auf meiner Hausstrecke, die nicht ganz eben ist – sondern durchaus ein paar fiese Hügel aufweist und außerdem eine permanente Steigung, die minimal aber ziemlich anstrengend ist.  1 Stunde vor dem Lauf bekam ich zum Glück den Anruf der Tierklinik, dass wir Cleo heute abend abholen können. Sie hat das Ärgste überstanden. So ging ich relativ frei im Kopf zum Laufen. Dachte ich.

Die ersten 10 Minuten waren so das Übliche: Puls steigt, steigt, steigt. Pendelt sich dann irgendwo zwischen 140 – 145 ein. Dann kommt der erste Hügel – wir schießen mal locker über die 150 hinaus, bewegen uns Richtung 160. Tempo liegt bei ca. 6,5 km/h. Ich verlangsame so sehr, dass ich das Gefühl habe, auf der Stelle zu treten. Puls geht leicht runter.

So nach einer halben Stunde bin ich warmgelaufen und es beginnt Spaß zu machen. Naja, eigentlich nicht wirklich. Aber es läuft halbwegs. Mir tut nichts weh, ich bewege mich einigermaßen fließend und die Sonne knallt mir auf den Kopf. Die Wanderer und Fahrradfahrer, die mir begegnen schauen mich komisch an, manch einer grinst und ich versuche, an nichts zu denken.

Aber das klappt nicht. Ich denke so Sachen wie
„Grins noch mal so unverschämt, und ich kicke dich von deinem Fahrrad!“
„Was – erst 3,5 Kilometer? In 4 Wochen bist du beim Bodensee-Marathon – da ist das nicht mal 1/3 der Laufstrecke … das geht niemals!“
„Mein Kopf ist so heiß, vielleicht sollte ich doch besser gehen statt laufen, das kann ja nicht gesund sein“
„Wie war das nochmal – 4 Schritte einatmen, 4 Schritte ausatmen, 4 Schritte … Mist, ich schaff aber nur 2 Schritte einatmen! Ich kann nicht mehr atmen. Ich krieg keine Luft mehr. Ich sollte aufhören.“
„Wie jetzt? Pace 9:24 min? Wozu jogge ich eigentlich – mehr Luft kriege ich mit Walken und der Pace ist auch nicht schlechter.“

Nach 15 Minuten gehe ich mir selber so dermaßen auf die Nerven, dass ich mir wünsche, ich hätte meine Kopfhörer mitgenommen für die Musik, auf die ich eigentlich gar keine Lust habe.

Aber wer weiß? Vielleicht muss man das Denken während des Laufens auch trainieren. Bzw. das Nicht-Denken. Oder es kommt irgendwann von selbst. In einem der Bücher, die ich grad lese, stand ein Satz, den ich mittlerweile gut nachvollziehen kann: wenn du einen Ultra-Marathon läufst, bist du sehr lange Zeit mit dir allein unterwegs. Wenn du also einen Ohrwurm hast, dann bete drum, dass es ein verdammt guter ist! 

Gut, ich laufe keinen Ultra (noch nicht … hahaha) aber es fühlt sich trotzdem wie eine Ewigkeit an. Ach, ich üb das einfach weiter. Vielleicht werde ich noch ein OM-Läufer. Bei dem nichts im Kopf ist als Ruhe und Frieden. Und wenn dann nochmal jemand was sagen sollte von wegen ich wäre zu langsam, dann werde ich ruhig und friedlich erklären, dass sich das meditatives Laufen nennt und er besser daran täte, sich aus dem Staub zu machen, bevor meine Meditation zu Ende ist.

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